Endoprothese Schultergelenk

Künstlicher Gelenkersatz / Implantation einer Schulterendoprothese

Grundsätzlich wird zwischen anatomischen und inversen Schulterendoprothesen unterschieden. Während anatomische Prothesen (vor allem Oberflächenersatz-, Kurzschaft- und Schaftprothesen) die zerstörten Gelenkoberflächen ersetzen (wie dies z.B. bei der Arthrose der Fall ist) und die ursprüngliche Geometrie des Gelenkes wieder herstellen sollen (Abb. 1), stellen inverse Endoprothesen die natürlichen Verhältnisse „auf den Kopf“. Sie kommen zum Einsatz, wenn nicht nur die Gelenkkörper selbst verändert sind, sondern zusätzlich massive Schäden an den Weichteilen, vor allem an der sogenannten Rotatorenmanschette vorliegen. Durch Befestigung eines festen Widerlagers am Schulterblatt wird die Stabilität des Gelenkes wieder hergestellt, so dass die verbliebene, noch funktionsfähige Muskulatur, den Arm wieder bewegen kann.

Abb. 1: Eine anatomische Endoprothese (rechts) bildet die Anatomie des normalen Schultergelenkes (links) nach (Die Maße DTA und HO sollten postoperativ annähernd der gesunden Gegenseite/links entsprechen). Bei einer inversen Endoprothese (Mitte) dagegen werden die Verhältnisse umgekehrt: Die Kopfkomponente wird am Schulterblatt und die Pfanne am Oberarmknochen befestigt. Auf diese Weise entsteht ein festes Widerlager, so dass der Arm trotz defekter Sehnen und Muskeln der Rotatorenmanschette wieder bewegt werden kann.

Die wichtigsten aktuellen Schulterprothesenmodelle werden im Folgenden kurz vorgestellt.

Anatomische Prothesen

Zementierter oder zementfreier Protheseneinbau

Die feste Verankerung der Prothesenkomponenten in den Knochenlagern ist eine wichtige Voraussetzung, um Beschwerdefreiheit und eine gute Funktion zu erreichen. Früher wurden alle Prothesen zementiert implantiert. Bei dem sogenannten Knochenzement handelt es sich um einen Mehrkomponenten-Klebstoff, der, nach sorgfältiger Durchmischung, in kurzer Zeit zu einer extrem festen Substanz aushärtet.

Heute wird zunehmend von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, Prothesen zementfrei zu implantieren. Voraussetzung ist allerdings eine gute Knochenqualität. Wenn für die zu implantierende Prothese beide Verankerungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, trifft der Operateur die letzte Entscheidung anhand der unter der Operation vorgefundenen Gegebenheiten. 

Hemi- oder Totalprothese

Je nach Art der Abnutzung des Gelenkes, ist es manchmal ausreichend, allein den destruierten Oberarmkopf zu ersetzen. Man spricht dann von einer sogenannten Humeruskopf- oder Hemiprothese (Abb. 3 a). Oft betreffen die Veränderungen aber zusätzlich die Gelenkpfanne (=Glenoid), so dass auch diese durch eine Prothesenkomponente ersetzt werden muss. Solche Prothesen werden als Totalendoprothesen bezeichnet (Abb. 3 b). Die Gelenkpfanne besteht bei dem von uns bevorzugten Implantat aus Polyäthylen und wird mittels Knochenzement, im Knochen befestigt.

a)                                                         b)

Abb. 3: a) Hemiprothese des rechten Schultergelenkes (zementfrei implantierter Schaft); b) Totalendoprothese (Ersatz von Oberarmkopf und Gelenkpfanne, Schaft zementfrei, Pfanne zementiert).